Ihre Fragen an mich

Hinweis: Die Fragen wurden von Bürgerinnen und Bürgern gestellt – vor Ort und online. Sie sind bewusst im Originalwortlaut belassen, um die Anliegen authentisch wiederzugeben.

Ihre Frage:
Sehen Sie die Gemeinde Elchingen Gefahr laufen unter Aufsicht gestellt zu werden? Wären Sie darauf vorbereitet bzw. wie würden Sie damit umgehen?

Meine Antwort:
Eine kommunale Haushaltsaufsicht ist immer das letzte Mittel – und alles daranzusetzen, dass es nicht so weit kommt, ist für mich selbstverständlich. Panik hilft hier nicht, sondern nüchterne Analyse und konsequentes Handeln.

Eine Gemeinde muss – wie ein privater Haushalt – nach ihren Möglichkeiten wirtschaften und dabei trotzdem die Zukunft im Blick behalten. Das bedeutet nicht pauschales Streichen, sondern kluge Prioritäten, Transparenz und viele kleine, wirksame Schritte. Oft lassen sich durch effizientes Management, bessere Steuerung und sinnvolle Investitionen spürbare Entlastungen erzielen – ohne Lebensqualität zu verlieren.

Ihre Frage:
Das Ortsbild verändert sich seit einigen Jahren massiv. Nur noch wenige Bauernhäuser erinnern daran, dass die Ortsteile eine landwirtschaftliche Vergangenheit haben. Große Immobilienfirmen, wie Casa Nova kaufen immer mehr Fläche auf und ziehen hässliche Neubauten auf, die das Ortsbild völlig zerstören. Gerade Thalfingen wird so immer mehr zum bloßen Vorort Ulms, anstelle das schöne Dorf mit Personalität zu beleben. Gibt es Möglichkeiten dem Ausverkauf entgegen zu wirken?

Meine Antwort:
Die Sorge um den Verlust des dörflichen Charakters teile ich ausdrücklich. Diese Entwicklung betrifft viele Gemeinden im Umland größerer Städte. Und ja, auch Elchingen steht hier unter starkem Druck.

Innerörtliche erschlossene Flächen sind für große Bauträger besonders attraktiv, weil sie schnell und gewinnorientiert entwickelt werden können. Die Gemeinde kann – gerade in finanziell angespannten Zeiten – nicht bei jedem Grundstückskauf mithalten. Dennoch, wir sind diesem Prozess nicht völlig ausgeliefert.

Ein wichtiger Hebel liegt in der Bauleitplanung. Über Bebauungspläne, Gestaltungssatzungen und klare Vorgaben zu Kubaturen, Dachformen oder Nachverdichtung lässt sich beispielsweise sehr wohl steuern, WIE gebaut wird und damit auch, ob ein Ortsbild erhalten bleibt oder beliebig wird. Diese Instrumente müssen konsequent genutzt und weiterentwickelt werden.

Gleichzeitig halte ich es für enorm wichtig, bestehende ortsbildprägende Gebäude und Hofstellen nicht vorschnell aufzugeben. Die Umnutzung alter Gebäude, sei es als Wohnraum, Café oder einer Kultur- oder Begegnungsstätte, kann Orte mit Identität schaffen. Beispiele wie der Zehntstadel in Göttingen zeigen, was möglich ist.

Hier sehe ich auch meine Aufgabe als Bürgermeister: Menschen für solche Ideen zu begeistern, Netzwerke zu knüpfen und Mitstreiter zu finden. Sei es mit Kapital, Know-how oder persönlichem Engagement. Ich bin überzeugt, dass es auch in Elchingen Menschen gibt, die im besten Sinne „verrückt“ genug sind, Verantwortung für solche Projekte zu übernehmen.

Ihre Frage:
Finanzen: Elchingen hat so viel Gewerbetreibende, warum sind die Finanzen so desolat? Einnahmen/Ausgabenproblem?

Meine Antwort:
Die finanzielle Situation Elchingens ist weder mit einem einfachen Einnahmen- noch mit einem reinen Ausgabenproblem zu erklären, es ist vielmehr eine Kombination aus beidem.

Elchingen verfügt über viele Gewerbebetriebe. Wie stark diese jedoch tatsächlich zur Gemeindefinanzierung beitragen, hängt unter anderem davon ab, wo Gewinne steuerlich anfallen. Gerade bei Unternehmen mit mehreren Standorten ist genau zu prüfen, in welchem Umfang Gewerbesteuer auch tatsächlich in Elchingen verbleibt. Diese tiefen Einblicke erhält man allerdings erst mit einem entsprechenden Mandat – hier wäre eine sachliche Analyse mein erster Schritt.

Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen, Gewerbeansiedlungen wirken finanziell oft zeitverzögert. Junge oder wachsende Unternehmen zahlen anfangs wenig oder keine Gewerbesteuer. Wirtschaftsförderung ist daher wichtig, aber kein kurzfristiger Rettungsanker für den Haushalt.

Was wir dagegen aktiv gestalten können, sind eigene wirtschaftliche Strukturen der Gemeinde. Ich denke hier bewusst an ein kommunales Bürger- oder Gemeindewerk, das überwiegend im Eigentum der Gemeinde steht. Über Bereiche wie Wärmeversorgung oder Stromerzeugung können hier langfristig stabile Einnahmen entstehen. Zudem ließen sich kommunale Einrichtungen – etwa das Schwimmbad – organisatorisch aus dem Kernhaushalt ausgliedern und würden diesen so spürbar entlasten.

Dass solche Modelle funktionieren können, zeigt sich direkt vor unserer Haustür, etwa bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm. Ich verspreche keine schnellen Wunder, doch mit nüchterner Analyse, klaren Prioritäten und eigenen kommunalen Wertschöpfungsketten lässt sich Elchingens finanzielle Handlungsfähigkeit Schritt für Schritt zurückgewinnen.

Ihre Frage:
Wie möchten Sie die Gemeinde für junge Familien mit Kindern attraktiv halten. Außer Schaffung von ausreichend Kita-Plätzen?

Meine Antwort:
Eine ausreichende Anzahl an Kita-Plätzen sind die Grundlage und ich begrüße ausdrücklich die kürzlich erst getroffene Entscheidung des Gemeinderats, den bestehenden Kindergarten in Thalfingen durch einen größeren Neubau zu ersetzen. Das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt.

Attraktiv für junge Familien wird eine Gemeinde aber nicht allein durch Betreuung. Entscheidend ist das Gesamtpaket: sichere Schul- und Fußwege, verlässliche Ganztagsangebote, bezahlbarer Wohnraum, gute Freizeit- und Vereinsangebote sowie Orte, an denen sich Familien ganz selbstverständlich begegnen können.

Mir ist zudem wichtig, dass Familien im Alltag spüren, dass ihre Anliegen ernst genommen werden – sei es bei Verkehrsfragen rund um Schulen, bei Spiel- und Aufenthaltsflächen oder bei flexibleren Angeboten für unterschiedliche Lebensmodelle.

Mein Ziel ist es, Elchingen so zu gestalten, dass Familien nicht nur wegen eines Betreuungsplatzes bleiben, sondern weil sie sich hier langfristig zuhause fühlen.

Ihre Frage:
Was sagt Ihre Chefin im Rathaus Neu-Ulm zu Ihrer Kandidatur? 

Meine Antwort:
Ich arbeite in Neu-Ulm in einem professionellen und wertschätzenden Umfeld. Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger schätze ich fachlich wie persönlich sehr. Selbstverständlich sind alle meine Vorgesetzten über meine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Elchingen informiert.

Meine Kandidatur ist eine persönliche Entscheidung, die nichts an meiner bisherigen Arbeit oder an meinem professionellen Selbstverständnis ändert. Über interne Gespräche äußere ich mich generell nicht öffentlich.

Ihre Frage:
Warum sollte ich Ihnen meine Stimme geben und nicht Frau Gruß? 

Meine Antwort:
Diese Entscheidung kann und soll jede Wählerin und jeder Wähler für sich selbst treffen. Miriam Gruß (FDP) bringt politische Erfahrung mit, das respektiere ich. Meine Kandidatur steht jedoch für einen anderen Ansatz.

Ich kandidiere, weil ich Elchingen seit meiner Kindheit kenne, hier lebe und hier verwurzelt bin. Ich erlebe die Menschen und Strukturen unserer Gemeinde nicht aus der Distanz, sondern aus dem Alltag heraus. Dazu gehört auch meine berufliche Prägung: Nach meiner Verwaltungsausbildung habe ich viele Jahre im Pflegeheim Haus Tobit gearbeitet. Diese Zeit hat mich sehr geprägt – im Umgang mit älteren Menschen, mit Angehörigen, mit Mitarbeitenden und mit Situationen, in denen es nicht um Ergebnisse und Zahlen, sondern um Verantwortung, Zuhören und Verlässlichkeit geht.

Ich bin kein Berufspolitiker, sondern jemand aus der öffentlichen Verwaltung mit Bodenhaftung. Mir geht es nicht darum, Elchingen neu zu erfinden, sondern unsere Gemeinde verantwortungsvoll weiterzuentwickeln: finanziell ehrlich, sozial verbindend und mit einem klaren Blick für das Machbare.

Ich stehe für Transparenz, Bürgernähe und Zusammenarbeit – über Parteigrenzen hinweg.
Wenn Sie einen Bürgermeister wollen, der präsent ist, Entscheidungen erklärt, Menschen mitnimmt und Elchingen als eigenständige Gemeinde mit Charakter versteht, dann bitte ich um Ihr Vertrauen.

Ihre Frage:
Viele Elchinger Straßen sind in sehr desolatem Zustand. Haben Sie vor hier Abhilfe zu schaffen? Trotz leerer Kassen! 

Meine Antwort:
Der Zustand vieler Straßen in Elchingen ist schlecht – und ja, das ärgert zu Recht. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Eine flächendeckende Sanierung „auf einmal“ ist finanziell nicht leistbar.

Genau deshalb halte ich es für entscheidend, Maßnahmen klug zu bündeln. Dort, wo ohnehin in den Untergrund eingegriffen wird – etwa durch die Verlegung von Wärmeleitungen, Glasfaserkabeln oder anderen Versorgungsleitungen – muss der Straßenbau zwingend mitgedacht werden. So lässt sich vermeiden, dass Straßen mehrfach aufgerissen werden und am Ende nur ein weiterer Flickenteppich entsteht.

Wenn viele Bürgerinnen und Bürger Interesse an gemeinsamen Lösungen im Bereich der Wärmeversorgung haben, kann daraus ein echter Mehrwert entstehen: effizientere Infrastruktur, geringere Gesamtkosten und im besten Fall auch durchgehend erneuerte Straßen statt punktueller Reparaturen.

Ihre Frage:
In welche Richtung wollen Sie wie erwähnt Elchingen formen? Vorstadt oder eigenständig? 

Meine Antwort:
Für mich ist diese Frage kein Entweder-oder. Elchingen darf weder zur gesichtslosen Vorstadt verkommen noch sich aus Prinzip von seinem Umfeld abkapseln.

Elchingen soll eigenständig bleiben, mit einer klaren Identität, lebendigen Ortsteilen, starken Vereinen und Räumen, in denen man sich kennt und begegnet. Das betrifft das Ortsbild genauso wie Kultur, Ehrenamt und das Miteinander. Diese Eigenständigkeit ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine bewusste Entscheidung für Lebensqualität.

Gleichzeitig leben wir in einer hochvernetzten Region. Viele Elchingerinnen und Elchinger arbeiten in Ulm oder Neu-Ulm, nutzen dort Angebote – und das ist völlig richtig so. Deshalb braucht es eine kluge Zusammenarbeit auf Augenhöhe, etwa bei Mobilität, Energie, Infrastruktur oder medizinischer Versorgung.

Elchingen soll kein Anhängsel, sondern ein starker, selbstbewusster Partner in der Region sein. Eine Gemeinde, in der man nicht nur wohnt, sondern bewusst lebt – und zu der man abends gerne zurückkommt.

Wenn wir unsere Stärken pflegen und gleichzeitig offen für Kooperationen bleiben, dann müssen wir uns nicht entscheiden zwischen Vorstadt oder Dorf. Dann sind wir einfach: Elchingen.

Ihre Frage:
Bürgerwerk: Wie wird der Strom produziert? Windräder? 

Meine Antwort:
Ein mögliches Bürger- oder Gemeindewerk bedeutet nicht automatisch, dass der Strom ausschließlich vor Ort erzeugt werden muss – und schon gar nicht zwingend durch Windkraftanlagen in Elchingen. Mein persönliches Ziel ist es jedoch, Erzeugung und Wertschöpfung so weit wie möglich regional zu halten.

Viele Gemeinde- oder Stadtwerke arbeiten heute mit einem klugen Mix aus eigenen Anlagen, regionalen Projekten und überregionalen Beteiligungen. Entscheidend ist, dass Steuerung, Gewinne und Gestaltungsspielräume bei der Kommune bleiben.

Ein realistischer Einstieg wären Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, Kooperationen mit bestehenden Photovoltaik-Anlagen, die aus der EEG-Förderung fallen, oder innovative Standorte – etwa entlang von Verkehrsachsen oder Lärmschutzanlagen. Hier sehe ich großes Potenzial, Strom direkt in Elchingen zu erzeugen und auch vor Ort zu vermarkten.

Die Frage der Windkraft bewerte ich noch differenziert. Es gibt Befürworter wie Gegner. Für mich ist entscheidend, dass solche Fragen nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entschieden werden. Voraussetzung ist eine ehrliche und transparente Information über Chancen, Risiken und Auswirkungen.

Als Bürgermeister würde ich meine persönliche Haltung nicht zum Maßstab machen. Stattdessen halte ich eine strukturierte Bürgerbeteiligung oder -befragung für den richtigen Weg, um zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen.

Ihre Frage:
Werden Sie trotz leerer Kassen kulturelle Veranstaltungen in Elchingen unterstützen? 

Meine Antwort:
Ja. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten halte ich es für falsch, Kultur vorschnell infrage zu stellen oder pauschal zu kürzen. Kultur ist kein Luxus, den man sich nur in guten Jahren leistet. Sie ist ein wesentlicher Teil dessen, was eine Gemeinde lebendig macht.

Als ausgesprochener Kulturfreund weiß ich, dass kulturelle Veranstaltungen Begegnung ermöglichen, Identität und Zusammenhalt schaffen. Sie stärken Vereine, Ehrenamt und das Miteinander und genau das brauchen wir, wenn die Kassen angespannt sind. Wer hier nur auf die Ausgabenseite schaut, spart am falschen Ende.

Neben einem verantwortungsvollen Umgang mit Ausgaben müssen wir die Einnahmenseite konsequent mitdenken – etwa durch neue Formen kommunaler Wertschöpfung, Kooperationen oder Fördermodelle. Wenn uns das gelingt, entsteht auch der finanzielle Spielraum, um kulturelles Leben zu erhalten.

Ich verspreche keine unbegrenzten Mittel. Aber ich verspreche, dass Kultur in Elchingen für mich nicht an erster Stelle vorschnell zur Disposition steht, sondern als Investition in Lebensqualität, Gemeinschaft und Zusammenhalt verstanden wird.

Ihre Frage:
Was denken Sie, wie viel Zeit das Amt des Bürgermeisters beanspruchen wird? 

Meine Antwort:
Ganz einfach: So viel Zeit, wie es braucht, um der Aufgabe gerecht zu werden. Das Amt des Bürgermeisters ist keine Tätigkeit „nebenbei“, sondern eine verantwortungsvolle Führungsaufgabe, die viel Präsenz erfordert.

Ich bin froh, in Elchingen zu wohnen. Das spart nicht nur Wege, sondern ermöglicht mir, nah an der Bürgerschaft, den Themen und dem Alltag unserer Gemeinde zu sein. Kurze Wege bedeuten mehr Zeit für Gespräche, Entscheidungen und für das, was Elchingen wirklich voranbringt.

Die Sammlung wird laufend ergänzt. Weitere eingereichte Fragen werden in den kommenden Wochen veröffentlicht.